Führungen durch die Stiftskirche Öhringens

schildIn der Geschichte Öhringens war Kirche und Stadt auf engste miteinander verbunden. Die Grafen und späteren Fürsten zu Hohenlohe als Landesherren waren fast 700 Jahre die Patronatsherren der Kirche, d.h. sie hatten bei der Besetzung der Pfarrer- und Lehrerstellen das endgültige Sagen, ebenso hatten sie für deren Schutz und Unterhalt zu sorgen. Denn Hohenlohe war dieses Recht zugewachsen, als sie unter dem Stauferkaiser Friedrich II. zu Vögten über das damalige Chorherrenstift eingesetzt wurden.

Aus einer dem Bischof von Würzburg zugehörigen Kirche, einer Chorherrenkirche, war damit der Grafenkirche geworden.Das Öhringer Chorherrenstift, durch die Gräfin Adelheid 1036 besiegelt, währte gut 500 Jahre bis zu Reformation 1556. Danach wurde nach wenigen Jahrzehnten das Chorherrenstift aufgehoben und die stiftseigene Schule in ein Hohenloher Landesgymnasium umgewandelt. Namhafte Bürger, wie z.B. die Vorfahren unseres ehemaligen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker, gingen dort zur Schule. Am Samstag, den 22. Mai 1926 läuteten die Glocken der Öhringer Stiftskirche eine volle Stunde lang zu ungewohnter Zeit. Der Anlass: zu Grabe getragen wurde in der Hohen Tatra der letzte Patronatsherr der Öhringer Pfarrstellen, Christian Kraft von Hohenlohe-Öhringen. Die einstige romantische Basilika, die Vorgängerin der heutigen Stiftskirche geriet im Laufe der Jahrhunderte in einen so bedenklichen Bauzustand, so dass man sich zum Bau einer neuen spätgotischen Kirche entschloss. Die Grundsteinlegung war am Sonntag Lätare im Februar 1453.

Mit Unterbrechungen dauerte es fast 50 Jahre bis dieses Bauwerk 1503 endlich fertig gestellt war. Über 50 weitere Jahre – der Bauernkrieg 1525 hatte auch Öhringen hart zugesetzt – war hier noch Chorherrenstift bis 1556.

Ein Glücksfall für Öhringen war die Heirat Graf VI. mit Helena aus dem Hause Württemberg. Dieses jungvermählte Paar ließ den Kirchenbau mit neuem Elan zu Ende führen. Als Dank für das vollbrachte Bauwerk stiftete das Ehepaar den kunstvoll geschnitzten Hochaltar. Kunsthistorisch stellt er die größte Kostbarkeit der Stiftskirche dar. Nach der Reformation reservierten die Grafen von Hohenlohe den Hochchor als Logenplatz, zum Gedächtnis ihrer Verstorbenen. Auch die darunter liegende Krypta mit dem Sarkophag der Adelheid, der Stifterin des Chorherrenstiftes sowie die Grabdenkmale der Gründer dieser Kirche sind sehenswert. Weil die Hohenloher bis heute in dieser Krypta zur letzten Ruhe beigesetzt wurden, ist diese Kirchenführung ein Gang durch die Geschichte der Stadt Öhringen und des Hauses Hohenlohe.

Das Eintreten durch diese Pforten hat in der Zeit nach dem Tode der Gräfin Adelheit die Geschicke Öhringens, damals noch „Oringowe“, maßgeblich beeinflusst. In der Tracht eines Türmers aus dem 16. Jahrhundert wird Sie Fritz Offenhäuser in das Innere der Kirche führen. Damit Sie die herrliche Akustik der Kirche erleben können, wird der Türmer für Sie einen Choral blasen.


 

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